Der Mittelstand wird zunehmen digitaler

Digitalisierung im Mittelstand: Herausforderungen und Chancen

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Die mittelständische Wirtschaft blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Die Digitalisierung vereinnahmt mittelständische Unternehmen zunehmend und erfordert ein Umdenken. Wir blicken daher auf die Digitalisierung im Mittelstand und stellen die Vorteile den Herausforderungen gegenüber.

Der deutsche Mittelstand - eine Definition

Um den deutschen Mittelstand einzuordnen, müssen qualitative und quantitative Merkmale von Unternehmen berücksichtigt werden. Zu den quantitativen Merkmalen gehören verschiedene Kennzahlen wie die Umsatzhöhe, die Zahl der Beschäftigten und die Bilanzsumme. Das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn teilt ein Unternehmen dem Mittelstand zu, dass bis zu 249 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro aufweist.

Als qualitative Kriterien gelten Merkmale, die sich an der Leitung und den Besitzverhältnissen eines deutschen Unternehmens orientieren. Demzufolge lassen sich mittlere Unternehmen in Familienunternehmen sowie in eigentümer- und familiengeführte Betriebe unterteilen. Auf dieser Grundlage können über 99 Prozent der umsatzsteuerpflichten Unternehmen in der deutschen Wirtschaft dem Mittelstand zugeordnet werden.

Als Synonym für die Definition des Mittelstands treten häufig auch Bezeichnungen wie Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen auf. Sie lassen sich als kleine mittelständische Unternehmen (KMU) zusammenfassen. Ebenso zählen Hidden Champions, sogenannte heimliche Gewinner, zu den Unternehmen des Mittelstands. Es handelt sich dabei meist um unbekannte Firmen, die jedoch qualitative Standards erfüllen. Sie gelten in ihrer Branche als Marktführer, zum Teil auch auf die globale Wirtschaft bezogen, und verzeichnen einen hohen Exportanteil. Die Jahresumsätze solcher Unternehmen liegen über 50 Millionen Euro.


Vorreiter der Digitalisierung im Mittelstand

Das Thema Digitalisierung erstreckt sich im Mittelstand über alle Branchen hinweg. Durch die Vielfalt und Spezialisierung der Unternehmen verläuft die Entwicklung jedoch nicht in allen Bereichen gleich. Die Deutsche Telekom hat in einer Studie die Entwicklung der Digitalisierung im Mittelstand analysiert. Der Digitalisierungsindex Mittelstand 2019 bietet einen Stand zur digitalen Reife von mittelständischen Unternehmen.

Vorreiter bei der Digitalisierung sind Banken, Versicherungen sowie industrielle Unternehmen. Dagegen tun sich Baugewerbe und Handel noch schwer, einen Teil ihre Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Der Grad der Digitalisierung liegt hier noch weit unter dem Durchschnitt. Doch worauf begründet sich diese unterschiedliche Entwicklung? Besonders Bankunternehmen und Versicherungen gerieten frühzeitig unter Druck. Themen wie Online-Banking oder digitale Beratungs- und Serviceangebote außerhalb der regulären Öffnungszeiten wurden für Kunden immer wichtiger. Ebenso erkannte die industrielle Branche, dass digitale Prozesse und die damit verbundene Automatisierung zu einem Wettbewerbsvorteil führt. Durch die Digitalisierung in der Industrie 4.0 entstehen effiziente Arbeitsweisen, die Zeit- und Kostenersparnisse mit sich bringen.

Digitale Fertigungsprozesse in mittelständischen Unternehmen

Grundlagen der digitalen Transformation im Mittelstand

Viele Technologien nutzen Künstliche Intelligenz (KI) als Grundlage für eine Digitalisierung. KI bietet viele Potenziale, um auf der Basis von Daten das Verhalten und die Bedürfnisse von Kunden zu analysieren. Big Data ist daher eng mit der digitalen Transformation verbunden. Wer Daten für sein Business zu nutzen weiß, verschafft sich einen Vorsprung im Wettbewerb. Aus den Erkenntnissen resultieren automatisierte und zielführende Maßnahmen im Marketing. Dadurch können die Unternehmen tatsächlich nachgefragte Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Kunden haben ihre Erwartungen im Zuge des im digitalen Wandels bereits verändert. Sie setzen individuelle Empfehlungen und kundenspezifische Angebote, beispielsweise im E-Commerce, wie selbstverständlich voraus. Unternehmen sind daher gezwungen, sich anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder sich als digitaler Vorreiter einen Vorsprung zu verschaffen.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Industrie 4.0 dient dazu, Arbeitsprozesse intelligent zu automatisieren. In einem Betrieb lernen Maschinen alle Arbeitsschritte kennen und übernehmen schließlich einzelne oder komplette Vorgänge. Bisher genutzte Ressourcen können noch ökonomischer eingesetzt werden. Die Nutzung von Maschinen, die Teil eines digitalen Netzes sind und miteinander kommunizieren, beschreiben das Konzept des Internets der Dinge. Smarte Geräte, die intelligent und effizient arbeiten, übernehmen menschliche Aufgaben. Der arbeitende Mensch selbst wird mehr und mehr zum Bediener und Kontrolleur der smarten Maschinen.


Herausforderungen für den Mittelstand im digitalen Zeitalter

Obwohl sich eine Mehrheit der Mittelständler für den digitalen Wandel im eigenen Unternehmen ausspricht, beeinträchtigen bestimmte Faktoren die Umsetzung in der Praxis. Demzufolge verlangsamt sich die digitale Transformation oder sie wird in einigen Fällen sogar ganz verhindert.

Viele Unternehmen schätzen den Aufwand, der für Investitionen in das Geschäftsmodell nötig ist, als zu hoch ein. Einerseits verringern digitale Lösungen sowohl Kosten als auch Zeit, doch dieser Effekt tritt erst ein, wenn Technologien regelmäßig und häufig angewendet werden. Ein Merkmal von mittelständischen Betrieben sind ihre Vielfalt und Spezialisierungen. Sie führen eine Reihe von individualisierten und komplexen Aufgaben durch. Darüber hinaus variieren die Abläufe in einzelnen Schritten so stark, sodass eine Automatisierung durch Digitalisierung eher schwierig erscheint. Der Einsatz neuer Technologien erweist sich bei diesen Anwendungen als unrentabel. Häufig fehlen gute Ansätze für skalierbare digitale Lösungen, die einfach zu implementieren und zudem in der Nutzung variabel einsetzbar sind.

Ein Kriterium für eine erfolgreiche Implementierung von digitalen Lösungen im Unternehmen ist die Bereitschaft, sich neuen Trends anzupassen. Im Hinblick auf die rasante Entwicklung ist das jedoch nicht immer ausreichend. Gewinner des digitalen Wandels sind die Unternehmen, die Dienstleistungen und Produkte grundsätzlich neu denken. Hier stechen besonders Start-ups durch, die agil arbeiten und revolutionäre Geschäftsideen mitbringen. Darüber hinaus arbeiten diese neuen Unternehmen bereits von Anfang an digital und richten daran auch ihre Workflows aus.

Im Gegensatz dazu agieren traditionelle Firmen eher schwerfällig, insbesondere wenn sie auf langjährige Geschäftserfolge zurückblicken und so keinen Bedarf für ein Umdenken sehen. Doch diese Denkweise stellt eine potenzielle Gefahr dar, wenn das bewährte eigene Geschäftsmodell am Markt von Wettbewerbern digital neu erfunden wird. Ein Lösungsansatz besteht darin, dass große Unternehmen, die sich in sehr kurzer Zeit nur schwer transformieren lassen, ein unabhängiges Geschäftsmodell außerhalb bestehender Geschäftsfelder aufbauen.

Kleineren mittelständischen Unternehmen fehlt es schlichtweg am Bewusstsein, die eigene Digitalisierung voranzutreiben. Sie sehen sich bei ihrer guten Auftragslage nicht in der Lage, die knappe Zeit für den digitalen Wandel zu investieren.


Digitale Geschäftsmodelle in der Corona-Krise

Die Corona-Pandemie offenbarte ab dem Frühjahr 2020 die Notwendigkeit, dass sich Unternehmen mit der Digitalisierung als Thema stärker auseinandersetzen müssen. Viele Branchen des Mittelstandes wurden regelrecht dazu gezwungen, ihre gewohnten Prozesse umzustellen, um weiterhin Einnahmen zu generieren. Als Beispiel lassen sich hier die zahlreichen kontaktlosen Beratungs- und Liefermöglichkeiten nennen. Es wurde schnell deutlich, dass die Corona-Pandemie zum Treiber der digitalen Transformation avancierte.

Der veröffentlichte Bericht zum Digitalisierungsindex 2020 sagt aus, dass vor allem das Tempo der Digitalisierung zunimmt. Die Studie belegt außerdem, dass Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad die Krise deutlich besser bewältigen als Wettbewerber, die auf Innovationen verzichten. Insbesondere der Wechsel des Arbeitsplatzes vom Büro ins Homeoffice kennzeichnete den Wandel während der Corona-Krise am deutlichsten. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, das eigene Geschäftsmodell sowie Produkt- und Serviceleistungen kurzfristig angepasst zu haben. In diesem Kontext wurden ebenso Abläufe durch digitale Technologien optimiert. Die Kommunikation gegenüber den Kunden verlagerte sich hin zu digitalen Medien.


Wie gelingt die Digitalisierung im Mittelstand?

Eine offene Unternehmenskultur ist ausschlaggebend, um digitale Projekte in mittelständischen Unternehmen einzuführen. Sowohl Führungskräfte als auch Angestellte müssen bereit dafür sein, sich den Herausforderungen zu stellen, die ein digitaler Umbruch mit sich bringt. Zudem braucht ein Wirtschaftsbetrieb unabhängig von seiner Form und Größe einen ganzheitlichen Ansatz für die Digitalisierung. Dazu gehört eine digitale Strategie, die alle Unternehmensbereiche berücksichtigt und auch alle Stakeholder einbezieht. Einzelne Digitalprojekte innerhalb einer Abteilung führen nicht zum Erfolg. Stattdessen ist es wichtig, Menschen, Ideen und Maßnahmen zu vernetzen. Die gemeinsame Arbeit an Konzepten ist auch deshalb unverzichtbar, weil der digitale Wandel nur dann nachhaltig für die Zukunft ist, wenn sowohl Akzeptanz als auch digitale Kompetenzen aufgebaut werden.

Jedes Unternehmen startet mit der Digitalisierung nicht bei null. Der Status quo lässt sich durch den digitalen Reifegrad leicht ermitteln. Auf Basis des Ist-Zustands können Schlussfolgerungen getroffen und die nächsten Schritte definiert werden. Diese Vorgehensweise sichert den ganzheitlichen Ansatz für eine Digitalisierung von Mittelständern, der sich auf Technologien und Workflows gleichermaßen bezieht. Ein Digital Maturity Model liefert durchgehend Informationen zum Reifegrad, der sich auch gegenüber Wettbewerbern vergleichen lässt.

Auf Grundlage der Analyse können nun Ziele definiert werden. Dabei stehen Fragen im Mittelpunkt, welchen Mehrwert eine Digitalisierung bringt und welche Kosten damit verbunden sind. Daraus leiten sich notwendige Maßnahmen ab, die auf das Ziel einzahlen, das Unternehmen zu digitalisieren. Dazu sind einerseits meist Aktivitäten im Personalbereich sowie auf der anderen Seite auch technische Systeme als Ergänzung für Arbeitsstrukturen nötig.

Die folgenden Faktoren tragen dazu bei, dass eine digitale Transformation im Mittelstand als Projekt erfolgreich verläuft:

  • externe Berater mit Know-how und Weitblick einbeziehen
  • digitale Plattformen für Marketing, Vertrieb oder Markterschließung nutzen
  • Fachkräfte rekrutieren und Mitarbeitende weiterbilden
  • IT-Infrastruktur ausbauen
  • Fördermöglichkeiten prüfen und wahrnehmen


Förderung zur Digitalisierung von KMU

Um Digitalisierung im Mittelstand zu fördern, wurden bereits verschiedene Initiativen ins Leben gerufen. Mittelstand-Digital ist eine Plattform, die mittelständischen Unternehmen in Kompetenzzentren sowohl Informationen als auch praxisnahe Hilfe zum Thema Digitalisierung anbietet. Ein weiteres Förderprogramm aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie lautet „Digital jetzt“. Damit werden Mittelständler finanziell bei ihrem Digitalprojekt unterstützt. Die Förderung ist an Kriterien geknüpft, in welchen Bereichen ein Unternehmen seine digitale Transformation vorantreiben will. Meistens orientieren sich die Förderprojekte zur Digitalisierung daran, wie Unternehmen ausgerichtet sind. Die Digitalisierung im Handwerk gestaltet sich anders als die Digitalisierung des Handels. Die bestehenden Förderprogramme beziehen sich auf folgende Branchen:

  • Informations- und Kommunikationstechnologien
  • digitale Technologien
  • IT-Infrastruktur und IT-Sicherheit
  • Qualifikationen von Beschäftigten zu Digitalthemen


Nachhaltiger Erfolg durch Vernetzung und Digitalisierung

Sinnvoll eingesetzte Innovationen sichern mittelständischen Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Nachhaltigkeit führt hier zum Erfolg. Um wertvolle Potenziale zu nutzen, lohnt sich die Kooperation mit externen Spezialisten. Der Einsatz von KI-gestützten Plattformen verhilft Mittelständlern, ohne hohes Investitionsrisiko die Geschäftsprozesse zu digitalisieren. Agile und moderne Arbeitsweisen tragen dazu bei, den Fokus auf Bedürfnisse und Ansprüche der Verbraucher zu legen. So entsteht die Basis für neue Geschäftsmodelle, um Stammkunden zu halten und neue Kunden zu gewinnen.

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