Digital Maturity Model: Digitalisierung im Unternehmen auf dem Prüfstand

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Ist es möglich, den digitalen Reifegrad Ihres Unternehmens exakt zu bestimmen, auch im Vergleich mit Wettbewerbern? Ein Digital Maturity Model macht diese Diagnose möglich. Wir erklären Ihnen das Modell und seine einzelnen Elemente.

Was ist ein Digital Maturity Model?


Ein Digital Maturity Model bildet den Status der Digitalisierung in einem Unternehmen ab. Digital Maturity ist die englische Übersetzung für den deutschen Begriff der digitalen Reife. Es existieren unterschiedliche Reifegradmodelle, mit denen sich einzelne Einheiten einer Organisation bewerten lassen. Ziel der Modelle ist es, langfristig vorhandene Strukturen strategisch und agil zu verbessern, damit eine digitale Transformation erfolgreich ist.


Das Modell hilft einem Unternehmen durch eine Skala, den Fortschritt einer Transformation zu analysieren und zu bewerten. Wie hat sich die Organisation digital entwickelt und wo besteht konkret noch Handlungsbedarf? Das Digital Maturity Model beschreibt auf Basis mehrere Faktoren, in welchen relevanten Bereiche im Unternehmen digitale Prozesse bereits vorhanden sind. Es lassen sich damit ebenso Einheiten identifizieren, in denen die Transformation noch läuft oder erst am Anfang des Weges steht. Oft entwickeln sich aus diesen Analysen neue Geschäftsfelder für die Zukunft. Wenn Unternehmen die Faktoren auswerten, entstehen darüber hinaus neue Ziele und Strategien für das eigene Business.


Bestandteile eines Reifegradmodells


Modelle, mit denen der digitale Reifegrad ermittelbar ist, setzen sich abhängig von der Variante des konkreten Modells, aus verschiedenen Komponenten zusammen. Wir beleuchten ein Digital Maturity Modell, das aus acht Elementen besteht.


  1. Strategy (Strategie)
  2. Leadership (Führung)
  3. Products (Produkte)
  4. Operations (Prozesse)
  5. Culture (Unternehmenskultur)
  6. People (Mitarbeiter)
  7. Governance (Steuerung)
  8. Technology (Technologie)


Diese Bestandteile lassen sich im Kontext der digitalen Reife jeweils separat betrachten. Das heißt, dass die Digitalisierung nur für einen Bereich gemessen wird, der anschließend eine Note erhält. Das Prinzip ist mit einem Zeugnis zu vergleichen, das Schüler als Ergebnis ihrer Schulzeit erhalten. Dort wurden alle Schulfächer mit einer Note versehen. Am Ende entsteht ein gesamtes Ergebnis, das diese gesonderten Zensuren zusammenfasst. Übertragen wir diese Methode auf ein Digital Maturity Model, lassen sich fünf Stufen für den Reifegrad der Digitalisierung definieren:


  1. Unkenntnis zum Thema
  2. Konzepte und Gedanken existieren
  3. digitale Transformation geplant
  4. digitale Entwicklung im Gange
  5. Transformation abgeschlossen


Bei der ersten Stufe hat sich ein Unternehmen bisher keinerlei Gedanken über das Thema Digitalisierung gemacht. Die letzte Phase besagt dagegen, dass digitale Technik und Tools fest in der gesamten Organisation verankert sind.

Dimensionen des Digital Maturity Models


Wir werfen nun einen genauen Blick auf die acht Elemente, die Informationen für das Digital Maturity Assessment, also die Bestimmung der digitalen Reife liefern.


Strategie


Auf dieser Ebene steht die digitale Strategie einer Firma im Fokus. Existiert ein Plan für die Digitalisierung? Ein definiertes Vorgehen begleitet normalerweise alle Maßnahmen. Daran orientieren sich alle internen Stakeholder, vom Management über Resorts bis zu den Mitarbeitern. Es ist wichtig, dass die Führungsebene den Willen zur Digitalisierung kommuniziert und Arbeitnehmer die Idee begleiten und im Alltag leben. Eine Strategie und deren Umsetzung ist letztendlich Gradmesser für den digitalen Reifengrad.


Leadership


Bei einer digitalen Transformation benötigen Führungskräfte wichtige Eigenschaften, um den digitalen Wandel voranzutreiben. Sie müssen vor allem offen sein gegenüber Innovationen und geeignete Ressourcen bereitstellen, um Veränderungen umzusetzen. Die zweite Dimension im Digital Maturity Model misst diese Mentalität. Oft ergeben sich hier unentdeckte Potenziale und Lücken in den Führungsebenen.


Products


Die dritte Dimension legt den Schwerpunkt auf Produkte und Dienstleistungen. Wie digital ist das Angebot bereits? Interessant sind hier Faktoren wie Wirtschaftlichkeit, Wettbewerbsvorteile sowie der Nutzen für Kunden. Ebenso spielt die Wertschöpfung eine gewichtige Rolle.


Operations


Die vierte Ebene der Arbeitsabläufe ist komplex. Sie beleuchtet Geschäftsprozesse und verknüpft diese mit Technologien. Gemessen wird, wie diese beiden Elemente ineinander greifen und funktionieren. Zu den Prozessen zählen Customer-Relationship-Systeme (CRM) oder Enterprise-Resource-Planning-Plattformen (ERP). Außerdem betrachtet die Ebene, ob Agilität im Unternehmen eine Rolle spielt. Darüber hinaus gehört die Kommunikation mit externen Partnern und Kunden über diverse Kanäle zum Report dieser Ebene.


Culture


Ausgereifte Techniken bringen nichts, wenn sie Mitarbeiter nicht gern verwenden. In dieser Kategorie stehen die Unternehmenskultur und das Change Management im Fokus. Inwieweit binden Mitarbeiter moderne Software in den Arbeitsalltag ein? Ist das Unternehmen gegenüber neuen Geschäftsmodellen offen? Wie innovationsfreudig ist eine Firma? Das alles zählt im Kern zur digitalen Kultur.


People


Zwischen Unternehmenskultur und der Personalebene existieren Schnittstellen. Auf dem Prüfstand stehen dabei die digitale Kompetenz der Arbeitnehmer und das Know-how in der Firma. Welche Qualifikationen und Kenntnisse bringen Angestellte mit? Wie affin arbeiten sie mit Software und Tools? Ein Aspekt sind auch regelmäßige Weiterbildungen, um sich Wissen anzueignen und schnell auf den Verlauf der Digitalisierung zu reagieren.


Governance


Unternehmensziele zu erreichen und Geschäftsmodelle zu realisieren, ist die Hauptaufgabe eines Betriebes. Auf Basis einer definierten Vorgehensweise bei der digitalen Transformation lassen sich stetig Erkenntnisse gewinnen. Abhängig vom Kurs ist es notwendig, den Verlauf zu steuern oder die Ziele neu zu justieren.


Technologie


Die letzte Dimension bildet ein breites Feld ab. Hier werden digitale Techniken unter die Lupe genommen. Als Maßstab dienen Kenntnisse, um vorhandene IT-Systeme anzuwenden oder Software zu nutzen. Sie sind Grundlage dafür, dass Produkte und Dienstleistungen erfolgreich und gewinnbringend bleiben. In diesem Fall ist Technik die Plattform, damit die digitale Transformation sinnvoll im Unternehmen wirkt. Unter Technologie fallen auch alle Mittel und Geräte, die am Arbeitsplatz zum Einsatz kommen. Zusätzlich gehören auch digitale Analysen, Netzwerke und Themen wie Datensicherheit dazu. Der flexible und effiziente Einsatz aller technischen Ressourcen ist Prämisse für die Digital Readiness. Dann ist ein Unternehmen in der Lage, strategische Maßnahmen der ersten Dimension auch in die Realität umzusetzen.


Digital Maturity Index als Maßstab


Digital Maturity Assessments helfen, den eigenen digitalen Status Ihres Unternehmens vergleichbar zu bewerten. Die acht Dimensionen der Digital Maturity bilden den Gradmesser. Fragebögen oder andere empirische Methoden bringen als Ergebnis klare Indizien zum Reifegrad hervor. Die Werte lassen sich als Prozentangabe darstellen. Erreicht ein Unternehmen in der Kategorie Produkte ein Resultat von 25 Prozent, fällt es in den Reifegrad der zweiten Stufe. Der niedrige Index offenbart das Potenzial, die Digitalisierung zukünftig stärker zu berücksichtigen. Das Beispiel zeigt, dass Konzepte für digitale Angebote vorliegen, der Weg aber noch weit ist, diese auch zu realisieren.

Schauen wir uns ein weiteres Beispiel an, um den Digital Maturity Index einzuordnen. Eine Arztpraxis verfolgt das Ansinnen, die Papierberge zu reduzieren. Ziel ist es, dadurch mehr Zeit zu haben, um Patienten zu untersuchen. Eine Analyse aller Bereiche ergibt in der Kategorie Leadership einen Reifegrad von 83 Prozent. Der Chefarzt der Praxis zeigt sich affin gegenüber neuer Technik. Ein ähnliches Ranking liegt bei der Unternehmenskultur mit 78 Prozent vor, weil auch die Angestellten innovative Methoden bevorzugen. Die Kategorie Mitarbeiter erhält lediglich eine geringe Bewertung von 42 Prozent. Offensichtlich besteht in diesem Bereich die Chance, etwas zu verbessern. Konkret geht es darum, das Personal zu schulen, weil es sich nicht mit dem digitalen Verwaltungssystem auskennt. Allerdings ist das die Grundlage, um wie gewünscht die Bürokratie zu verringern.

Auf dieser Index-Basis erhalten Unternehmen einen Gesamtüberblick und objektive Vergleiche zur Reife ihrer Digitalisierung. Die Resultate zeigen, wo Maßnahmen für eine digitale Transformation erfolgen sollten. Digital Maturity Assessments sind nicht auf bestimmte Branchen oder Unternehmensformen beschränkt. Sie helfen dabei, sowohl die Digitalisierung im Handwerk als auch den Grad der Digitalisierung in mittelständischen Betrieben zu bestimmen.

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