Digitalisierung im Handwerk: Relevanz und Praxis

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Die Digitalisierung im Handwerk ist ein spannendes Thema. Die Vielfalt der Branche bringt beachtliches Potenzial für digitale Anwendungen mit sich. Erfahren Sie, welche Aufgaben und Prozesse mit erfolgreicher Digitalisierung im Handwerk in Zukunft noch effizienter gestaltet werden können.

Was bedeutet die Digitalisierung für das Handwerk?


Handwerker arbeiten bisher vorwiegend mit ihren Händen oder bedienen für bestimmte Aufgaben eine Maschine. Doch wie sehen die digitalen Handwerker von morgen aus? Übernehmen Roboter in Zukunft die Arbeit von Handwerkern? In vielerlei Hinsicht ruft das Thema eine kontroverse Diskussion hervor. Denn der digitale Wandel im Handwerk sorgt auf der einen Seite für Hoffnung, bringt andererseits jedoch reichlich Argwohn mit sich. Viele Handwerker fragen sich, ob die Digitalisierung die Aufgaben und Prozesse im eigenen Betrieb verbessert. Andererseits beschäftigt sie der drohende Verlust von Arbeitsplätzen durch digitale Transformation.


Sicher ist, dass in nächster Zeit weiterhin viele Handwerker Dächer reparieren, Wasserleitungen flicken oder Wände streichen. Die Digitalisierung im Handwerk bezieht sich stattdessen darauf, Arbeitsprozesse zu optimieren und digitale Technologien in der Verwaltung der Betriebe einzusetzen. Gemeint ist hier, die interne Organisation, den Kundenkontakt und die Rechnungsstellung digital zu unterstützen. Personal durch Roboter oder Maschinen zu ersetzen, spielt dagegen weniger eine Rolle.


Die Digitalisierung selbst wird zum Werkzeug. Betriebe setzen digitale Technik ein, um Material zu bestellen, Kunden zu informieren oder neue Mitarbeiter zu finden. Die digitale Transformation im Handwerk zeigt sich etwa daran, dass Firmen eigene Webseiten oder Social Media-Kanäle betreiben. Sie verwenden diese Plattformen für ihre Kommunikation und machen damit auf sich aufmerksam. Zusätzlich nutzen Betriebe zur Verwaltung ihrer Angebote und Rechnungen zunehmend passende Software und Clouds.


Einige Unternehmen greifen bereits auf fortgeschrittene Technologien zurück. Sie verwenden beispielsweise Drohnen, um die Umgebung auszumessen oder erzeugen mit 3D-Druckern spezielle Teile. Die Zahl der digitalen Handwerksbetriebe steigt. Laut Studie der Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) nutzen bereits mehr als die Hälfte digitale Lösungen (Bitkom Research 2020). Oft dienen innovative Software-Lösungen oder Online-Plattformen als Geschäftsmodell sogar dazu, die Existenz von Betrieben zu sichern.


Relevanz der Digitalisierung für das Handwerk


Handwerk und Digitalisierung sind zwei Begriffe, die auf den ersten Blick widersprüchlich zueinanderstehen. Trotzdem besitzt das Thema Digitalisierung eine hohe Relevanz für Handwerksbetriebe. Es sprechen finanzielle und körperliche Aspekte dafür, neue Technologien sinnvoll im Handwerk einzusetzen. Die folgende Übersicht nennt wichtige Vorteile für eine Digitalisierung im Handwerk:


  • Zeit sparen und Kosten reduzieren
  • Lagerung und Logistik optimieren
  • Arbeitstage flexibel gestalten
  • körperliche Belastungen reduzieren
  • konstante und hohe Qualität sicherstellen
  • langfristig Kunden binden
  • Personal effektiv einsetzen


Das digitale Handwerk in der Praxis


Die Corona-Krise zeigt deutlich auf, warum die digitale Transformation in der Wirtschaft eine Chance im Wettbewerb ist. Doch können Handwerker digital aus der Ferne arbeiten? Oft sind tatkräftige Hände vor Ort einfach nötig, aber ebenso ist Arbeiten auf Distanz eine Alternative. Ein Beispiel sind Fernwartungen, die heutzutage schon häufig genutzt werden. Mitarbeiter können mit entsprechender Software bequem auf Maschinen und Anlagen zugreifen, sie steuern und so einen Defekt beheben.

Besonders zukunftsfähige Lösungen sind Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR). Kunden erhalten damit die Chance, ihre Ideen und Wünsche zu gestalten und diese bereits virtuell zu erleben. Gerade beim Hausbau bietet diese Technologie viele Vorteile sowohl für den Bauherren als auch für den Handwerker.

Das digitale Handwerk beginnt jedoch auch schon bei einem Scan oder Foto. Kunden senden darüber Informationen zu einem Schaden direkt an den Handwerksbetrieb. Anschließend identifiziert das Unternehmen das Problem und schickt ein Angebot zurück. Viele Unternehmen verwenden bereits digitale Tools, um Angebote zu erstellen. Über ein Online-Formular kommunizieren Kunden ihre Anliegen und erhalten eine Antwort in Form eines Angebotes oder Termins per E-Mail.

Großes Potenzial besteht darüber hinaus bei Schulungen und Weiterbildungen. Mitarbeiter eines Unternehmens eignen sich in Online-Seminaren oder Videos neue Arbeitstechniken oder Methoden an. Sie müssen keine Präsenz mehr vor Ort zeigen und erhalten trotzdem neues Wissen.


Digitalisierung durch Künstliche Intelligenz und Roboter


Zunehmend spielt im Handwerk auch ein Thema wie Künstliche Intelligenz eine Rolle. Hier entstehen zum Teil komplett neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Als Beispiele lassen sich Smart-Home-Lösungen oder das Internet der Dinge nennen. Das Handwerk benötigt daher zunehmend digitale Kompetenzen, um eine Affinität für vernetzte Geräte und Gegenstände aufzubauen. Intelligenten Klimaanlagen, Lichtquellen und digitaler Haustechnik gehört die Zukunft. Das wirkt sich auf die Aufgaben für Handwerker aus. Sie reparieren nicht mehr nur einzelne Teile, sondern stellen sicher, dass vernetzte Geräte weiterhin kommunizieren.

Gute Perspektiven in Sachen Digitalisierung bietet das Baugewerke. Roboter übernehmen hier die Rolle als digitaler Handwerker. Über Funk lassen sie sich steuern, während Sensoren die Umgebung digital abbilden und ermöglichen, dass sich die Roboter automatisiert bewegen. Sie ersetzen den Menschen jedoch nicht als Arbeitskraft, sondern helfen bei schwierigen Aufgaben. Körperlich schwere, gefährliche oder monotone Arbeiten übernehmen die Maschinen, sodass sich der Mensch anderen Tätigkeiten widmen kann.


Herausforderungen des digitalen Wandels im Handwerk


Digitalisierung bietet jedoch nicht nur Chancen, sondern stellt die Handwerksbetriebe vor große Herausforderungen. In der Studie der Bitkom sehen 56 Prozent der Betriebe den digitalen Wandel als schwierige Angelegenheit. Jedes zehnte Unternehmen sieht darin sogar ein Risiko.

Als problematisch stellt sich besonders der Mangel an Fachkräften dar. Unternehmen finden häufig keine qualifizierten Mitarbeiter mehr, die zusätzlich digitale Kompetenzen mitbringen. Arbeitnehmer im höheren Alter besitzen nicht selten Berührungsängste gegenüber neuer Software. Auch die Sorge um den Datenschutz und die Datensicherheit ist groß, da die Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oft Neuland darstellen. 

Der Wegfall von Arbeitsplätzen zählt ebenso zur großen Angst in den Unternehmen. Wenn automatisierte Roboter auf Baustellen zum Einsatz kommen oder Bürokratie effizienter wird, erübrigen sich Stellen in einem Handwerksbetrieb. Die Tätigkeiten verlagern sich stattdessen dahingehend, nur noch Prozesse zu organisieren und zu steuern. Ein weiteres Problem sind die Kosten. Digitale Projekte bedeuten für kleinere Betriebe teure Investitionen, die sie eher scheuen.

Manche Software ist zu umfassend angelegt, damit überdimensioniert oder einfach untauglich für die Praxis. Deshalb fordern viele Unternehmen aus dem Handwerk, dass der Staat die Digitalisierung finanziell fördert. Sie wünschen sich den Ausbau schneller Internetleitungen, finanzielle Hilfen und Unterstützung beim Aufbau von digitalem Wissen.


Förderung der Digitalisierung im Handwerk


Es existieren tatsächlich mehrere Optionen, um digitale Transformation in der Wirtschaft und speziell im Handwerk zu fördern. Dazu zählen Prämien für eine Digitalisierung und Meister-Lehrgänge oder Zuschüsse für Weiterbildungen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bietet kleinen und mittelständischen Betrieben an, digitale Ideen und Vorhaben sowie Schulungen zu fördern. Zusätzlich können sich die Betriebe bei der Handwerkskammer über die Finanzierungsangebote informieren.

Betriebe sollten diese Angebote annehmen. In ihrer langen Historie mussten sich die Gewerke des Handwerks immer wieder anpassen, um auf Veränderungen zu reagieren und sich auf dem Markt zu behaupten. Die Digitalisierung läuft auch Hochtouren und greift auf die gesamte Wirtschaft über. Wir leben im Zeitalter der Industrie 4.0. Zum Überleben muss auch das Handwerk rechtzeitig auf diesen Zug aufspringen und den Schritt zum Handwerk 4.0 wagen.

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