Vernetztes Arbeiten

Zur Zukunft des Arbeitsmarktes

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Ist den wirtschaftspolitischen Protagonisten, den Fachbeamten, Wirtschaftsweisen und generell der Ökonomenzunft eigentlich bekannt, das die wichtigsten Regeln zum Arbeitsmarkt bereits 1924 festgelegt wurden und seit dieser Zeit immer noch Gültigkeit besitzen. Nachzulesen bei Guido Zander und Burkhard Scherf in ihrem neuen Opus „NEW WORKforce Management: Arbeitszeit und Personaleinsatzplanung human, wirtschaftlich und kundenorientiert“. Wichtigste Punkte: Die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten, eine ungleichmäßige Verteilung der Arbeitszeit über die Arbeitstage ist möglich (damit werden Zeitkonten ermöglicht), die bis heute geltende Obergrenze von zehn Arbeitsstunden pro Tag wird festgelegt, ebenso die Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen. Für Mehrarbeit wurde ein Zuschlag von 25 Prozent als angemessen definiert, wenn an mehr als 30 Tagen Mehrarbeit eingefordert wurde. Die Acht-Stunden-Regelung von 1918 wird hier also etwas aufgeweicht. Den Ansprüchen an eine netzökonomische Entwicklung der Volkswirtschaft kann die Arbeitszeitordnung aus der Weimarer Republik nicht mehr gerecht werden. Das gilt nicht nur für die Arbeitsmarktpolitik: 

„Die Welt ändert sich rasant, aber viele Unternehmen haben die gleichen Arbeitszeitmodelle wie vor 20 Jahren. Aktuell erleben wir, soweit wir dies als Zeitgenossen selbst realistisch beurteilen können, die größten und rasantesten gesellschaftlichen Veränderungen seit Jahrzehnten. Der seit langem bekannte aber auch lange ignorierte demografische Wandel wird zunehmend Realität und sorgt in Verbindung mit einer über lange Zeit boomenden Wirtschaft für Fachkräftemangel in nahezu jeder Branche. Die junge Generation hat ein verändertes Wertesystem, das auch die Einstellungen zu Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen beeinflusst, und die Einwanderung sorgt für ein zunehmend diversifiziertes kulturelles Umfeld. Gleichzeitig stellen Digitalisierung und Industrie 4.0 die vorhandenen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand und das bei zunehmendem internationalem Wettbewerb. Und als wäre dies nicht genug, gibt es auch bei den Kunden einen Wertewandel. Der Wunsch nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung (On Demand) steigt, die Erwartungen an Erreichbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit sind heute viel größer als früher“, schreiben die beiden Autoren. Der Ruf nach Flexibilität, sowohl von Unternehmen als auch von Mitarbeitern, werde immer lauter. “Allerdings sind die Erwartungen, wie Flexibilität gestaltet sein sollte, von Seiten der Unternehmen völlig anders als aus Sicht der Mitarbeiter. Und gleichzeitig wird das Thema Leiharbeit, das zeitweilig als wichtigste Lösung für einen flexiblen Personalbedarf angesehen wurde, gesellschaftlich und wirtschaftlich immer unattraktiver.“ 

Was wird wichtig bei der Umgestaltung der Arbeitswelt?

„Wachsende Tendenz zur Selbstorganisation von Mitarbeitergruppen: In den Bereichen hochqualifizierter Kopfarbeit werden Vorgaben zur Arbeitszeit durch die Unternehmen zunehmend verschwinden zugunsten einer Selbststeuerung autonomer Mitarbeiter oder Mitarbeiter-Gruppen. Personaleinsatzplanung oder Arbeitszeitsteuerung werden in diesem Umfeld allenfalls noch als Austausch von Terminen und Verfügbarkeiten auf kollaborativen Plattformen stattfinden. Auch in den immer komplexer werdenden Produktionsprozessen erwarten wir einen Trend zur vermehrten Arbeit in selbstorganisierenden Gruppen mit ähnlichen Effekten auf Personaleinsatzplanung und Arbeitszeitsteuerung. Einsatzplanungssysteme unterstützen zunehmend auch die Kommunikation: Sowohl in den oben genannten selbstorganisierenden Umgebungen als auch im Umfeld einer eher klassischen Personaleinsatzplanung wird der Kommunikationsaspekt in Software-Systemen zur Personaleinsatzplanung immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt beim Management der Arbeitswelt. Was sich ändern muss, erörtern wir im DigitalXAdhoc-Livetalk mit Guido Zander am Dienstag, den 27. Juli, um 12 Uhr. 

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