Event im Fokus

Wertvolle Impulse für den digitalen Wandel

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Effizient, kreativ, nachhaltig: Wenn Menschen und Unternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, entsteht eine enorme Bandbreite an Ideen und Lösungen. Bei der DIGITAL X 2021 in Köln sind all diese Aspekte zusammengekommen. Eine Auswahl der Highlights.

Ein Schaulaufen der Innovationen, ein Ort, der Transformation greifbar macht, eine Weltausstellung der Digitalisierung: Die DIGITAL X 2021, das Jahresabschlussevent von Europas führender Digitalisierungsinitiative, hat den digitalen Wandel der deutschen Wirtschaft in allen Facetten abgebildet. Mehr als 20.000 Menschen haben sich vor Ort in Köln, und auch online per Livestream, Impulse von fünf Bühnen und 100 Locations für den digitalen Wandel geholt.

Am Ende der zwei vortragsreichen Eventtage steht nicht nur die Erkenntnis, dass Technologie mehr kann, mehr verlangt und mehr umgestaltet, als manche Entscheiderinnen und Entscheider denken. Es gibt auch eine beruhigende Nachricht: Tugenden, die dem deutschen Mittelstand zu Weltruhm verhalfen und verhelfen, gelten auch in einer Welt, die Daten als Basis nutzt.

Neugierig und ehrgeizig

Neugier treibt jeden Menschen – und innovative Unternehmerinnen und Unternehmer erst recht. Doch wer an etwas Neues denkt, den überkommen nicht nur gute Gefühle. „Wenn wir an das Negative zuerst denken, dann ist das natürlich, intuitiv“, sagt Dr. Frederik G. Pferdt, Chief Innovation Evangelist bei Google, in seiner Keynote und stellt fest, dass der Steinzeitmensch selbst in der digitalen Transformation des 21. Jahrhunderts noch äußerst lebendig ist. „Wer hinter jeder Kurve einen Säbelzahntiger vermutet, der lebte einst länger, probierte aber nichts Neues aus.“ Den Tiger gebe es nun nicht mehr, sagt Pferdt und beschreibt, was er „Future Ready Mindset“ nennt: „Wir müssen weg vom ‚ja, aber‘ hin zum ‚ja, und‘!“ Nur so ließe sich Innovation maßgeblich beschleunigen.

Tempo und Mut bei der Digitalisierung sind die Kenngrößen, an denen Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, den Zustand und die Zukunft Europas festmacht. Und um beide stehe es derzeit nicht gut. „Unser Wohlstand ist nicht gottgegeben. Wir haben hart für ihn gearbeitet, Krisen gemeistert, Solidarität bewiesen“, sagt Höttges. Zuletzt sei Solidarität bei der Flutkatastrophe in Westdeutschland spürbar gewesen, in der auch unsere europäischen Nachbarn an der Seite der Betroffenen gestanden hätten. „Warum haben wir dieses Selbstverständnis, diesen Zusammenhalt, dieses Tempo nicht auch bei der digitalen Transformation?“, fragt der 59-Jährige.

Stellschrauben, vor allem politischer Natur, gebe es viele – und an kaum welchen werde gedreht. Dazu gehörten zum Beispiel eine Bürokratie, „die entrümpelt werden muss“, oder das europäische Cloud-Projekt GAIA-X. Dieses werde zwar öffentlich gefördert, aber dann nicht vom Staat nachgefragt. Ein schlechtes Zeichen. „Diese Bigotterie der Politik wird europäische Technologien niemals stärken“, warnt Höttges eindringlich und appelliert:

„Gestalten wir Europa, statt dabei zuzusehen, wie es gestaltet wird!“

Wachsam und achtsam

Verantwortung für die Welt, die uns umgibt, zu übernehmen, ist nicht nur der Anspruch vieler Unternehmen: Auch Arnold Schwarzenegger hat sie im Laufe seines Lebens mehr und mehr für sich entdeckt. Das Unmögliche möglich zu machen, habe ihn immer wieder angespornt, es trotzdem zu versuchen, sagt der 74-Jährige bei seinem Auftritt auf der Inspiration Stage der DIGITAL X 2021 in Köln.

Welcher Wandel möglich ist, lässt sich an der Person Schwarzeneggers ablesen. Einst Bodybuilder, dann Schauspieler, Politiker und nach seiner Amtszeit als Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien jetzt: Klimaschützer. Schwarzenegger ist international unterwegs und streut immer wieder eine klare Botschaft: „Es sind nicht die Regierungen, die etwas ändern können, es sind die Menschen!“ Dazu gehören auch die richtigen Worte, um Menschen zum Handeln zu bewegen: „Wir reden seit 40 Jahren davon, den Klimawandel zu stoppen, aber nichts hat sich verändert. Reden wir besser davon, die Verschmutzung der Umwelt zu stoppen“, schlägt Schwarzenegger vor. Wer wisse, was getan werden muss, dem falle es leichter, ans Ziel zu gelangen.

Fordern und fördern

Eines dieser Ziele kann die CO2-Neutralität von Unternehmen sein, die nicht beiläufig entstehe, wie Donya Amer, CEO von Bosch Climate Solutions, in ihrem Impulsvortrag sagt. Bosch als Hersteller von Industrietechnik, Automobilteilen und Gebrauchsgütern war im Jahr 2018 mit etwa 400 Standorten weltweit für den Ausstoß von 3,3 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Seit Februar 2020 sind alle eigenen CO2-Emissionen laut Unternehmen „neutral gestellt“. Möglich gemacht haben das vier Hebel, die Amer so beschreibt: „Nicht benötigte Energie ist die beste Energie. Wo Energie benötigt wird, sollte sie selbst aus erneuerbaren Quellen erzeugt werden. Wenn das nicht möglich ist, grüne statt konventionell erzeugte Energie beziehen! Und wo keiner der vorigen Hebel etwas bewegt, kommen CO2-Kompensationen ins Spiel.“

Das nächste Ziel hat Bosch sich schon gesetzt: Schnellstmöglich ohne Kompensationsmaßnahmen auskommen und bis 2030 die CO2-Emissionen seiner Zulieferer um 15 Prozent reduzieren – das entspricht einer Einsparung von weiteren 60 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Um das Ziel CO2-Neutralität zu erreichen, braucht es eine letzte Komponente: Daten. Amer: „Gute Produkte und effiziente Strukturen nutzen nichts, wenn es an guten Daten mangelt, die den Fortschritt messbar machen.“

Daten durchziehen jedes Unternehmen, doch nicht alle nutzen sie gleichermaßen. Die Digitalisierung in Deutschland ein großes Stück voranzubringen, fordert Wirtschaft und Politik gleichermaßen. Sagten 2019 noch 55 von 100 Unternehmen von sich, Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung zu haben, so sorgte die Pandemie im Folgejahr für einen schonungslosen Abgleich mit der Realität: Im Digitalisierungsindex Mittelstand von techconsult und Deutscher Telekom sagen in diesem Jahr 71 von 100 Unternehmen, dass sie digitalen Nachholbedarf haben.

130 Milliarden Euro Fördermittel, davon 50 Milliarden für Digitalisierung und Infrastruktur, stellte der Staat in der Pandemie zur Verfügung. „Knapp 18 Monate später wurden erst 15 Prozent der Summe abgerufen“, beklagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland. Digitalisierung zu fördern, ist deshalb eines der Fokusthemen der DIGITAL X 2021 gewesen. Denn mehr genutzte Förderung bedeutet mehr Digitalisierung. Wie groß der Informationsbedarf bei diesem Thema ist, stellt das Unternehmen derzeit selbst fest. Bei der eigenen Förderhotline für Unternehmen gehen etwa 300 Anfragen pro Woche ein.

Nach den Anregungen, die die 300 internationalen Rednerinnen und Redner, die mehr als 300 Start-ups und Partner den Besuchern in Köln gegeben haben, dürften es bald deutlich mehr werden.

St. Augustinus Gruppe: Sichere Kommunikation über Messenger-App