DCA-SIEGER LSD MACHT SEINE APP SNOOPSTAR SELBSTSTÄNDIG

Snoopstar: Wenn Prospekte zum Leben erweckt werden

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Der Verpackungsspezialist LSD gewann 2019 einen Digital Champions Award (DCA) für seine App snoopstar, mit der Verpackungen oder Prospekte per App animiert werden. Auf den großen Erfolg folgte nun die Ausgründung.

Print lebt. Und mit einer App wird Gedrucktes zusätzlich belebt. Mehr als 20 Millionen Prospekte druckt der Discounter Aldi-Süd wöchentlich und legt sie in Filialen aus oder legt sie Zeitungen bei. Kunden, die das Exemplar der Woche vom 16. bis 21. November zur Hand nahmen, sahen Sylvie Meis auf dem Titel. Wer auf den Folgeseiten mit seinem Smartphone und der installierten App snoopstar die Seiten betrachtete, konnte sehen und hören, wie die Moderatorin ihre neue Modelinie in einem Video vorstellte.


Augmented Reality trifft auf analoges Medium. „Wir schlagen die Brücke zwischen beiden Welten“, sagt Bodo Schiefer. Der ehemalige Werber mit Erfahrung in großen Agenturnetzwerken ist CEO der snoopstar GmbH. Gegründet wurde die GmbH erst letztes Jahr – von den Brüdern und Eignern des 1965 gegründeten Düsseldorfer Spezialisten für Verpackungsentwicklung, Werbemittel- und Medienproduktion, LSD, Klaus und Chris Finken. Die Ausgründung erfolgte, um der App schneller zu weiterer Verbreitung zu verhelfen.


Was gedruckt ist, kann mit Daten unterlegt werden

Es ist ein beeindruckendes Wachstum, das der mittelständische Dienstleister mit snoopstar seit dessen Einführung 2018 zurückgelegt hat. Dabei ging es LSD von Beginn an darum, die bestehenden Kenntnisse aus der Welt der Verpackung innovativ und kreativ digital zu erweitern. Trotz der kurzen Unternehmensgeschichte ist die Ausgründung binnen kurzer Zeit auf 15 feste Mitarbeiter angewachsen.

Einer der ersten großen Kunden war die Parfümeriekette Douglas. Sie nutzte snoopstar, um ihre Magazine mit Mehrwert zu digitalisieren. Kunden laden die App auf ihr Smartphone. Eine Registrierung ist nicht nötig, personenbezogene Daten werden nicht erfasst. Mit der Handykamera fahren sie über die gedruckten Seiten und sehen dann in der App Hinweise, Fotos oder bewegte Bilder. So ist es zum Beispiel möglich, eine im Prospekt gedruckte Verpackung quasi zu öffnen und den Inhalt zu sehen. Dasselbe gilt für die Verpackung selbst.

„Der Adventskalender ist eines der besten Beispiele, welchen zusätzlichen Nutzen Unternehmen und Kunden haben können“, sagt Schiefer. Etwa die Hälfte der Käufer des Kalenders möchte täglich überrascht werden, die andere Hälfte möchte vor dem Kauf sehen, welche Produkte enthalten sind. „Mit snoopstar ist es möglich, den Kunden über die App den Inhalt zu verraten, indem sie einfach das Handy auf die Verpackung halten – wenn Sie das wollen“, sagt Schiefer.


Viel Nutzen, volle Anonymität

Und auch wenn die App anonymisiert genutzt wird und weder Alter oder Geschlecht des Nutzers übermittelt wird, erfahren die Unternehmen ihrerseits eine Menge über ihre Kunden. Werden die Prospekte überhaupt aufgeschlagen, wann werden sie aufgeschlagen, welche Inhalte lösen besondere Neugier aus? Diese Informationen lassen sich aus dem Nutzerverhalten destillieren und so können wichtige Erkenntnisse über die Kundenwünsche gewonnen werden, die bei Printprodukten bislang im Verborgenen blieben. Wie viele „snoops“ lösen Nutzer aus, um sich zu einem Erklärvideo zu Fitnessgeräten, einem zur Mülltrennung oder zu Tipps zu Nähtechniken der angebotenen Nähmaschine auf dem Handy leiten zu lassen?

Dabei ist die Funktionalität nicht auf Papier beschränkt: Jede analoge Fläche lässt sich – auch nachträglich – mit Inhalten belegen. Die Deutsche Bank nutzt die Technik zum Beispiel, um ihr Kundenmagazin „Perspektiven“ aufzuwerten, die Zahnpastamarke Sensodyne nutzt die Technik an Bushaltestellen in vielen deutschen Städten. Auch die Telekom bewarb in ihrem Kundenmagazin ebenso wie in der größten deutschen Boulevardzeitung ihr Digitalangebot mit snoopstar-Erweiterungen.

Und die Nutzer ihrerseits spielen den Unternehmen Impulse für die Weiterentwicklung zu. Bei den Prospekten von Aldi-Süd sind auch Rezepte für Gerichte sehr beliebte Abrufe in snoopstar. Was Kunden allerdings zu Beginn fehlte: eine Einkaufsliste, die die App jetzt generiert. So kommt Leben in die Kundenbeziehung.

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