INTERVIEW MIT AMORELIE-GRÜNDERIN LEA-SOPHIE CRAMER

Lea-Sophie Cramer über Amorelie, Online Shops und Eigenmarken

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Lea-Sophie Cramer gründete den Onlineshop Amorelie und ließ ihn zum Millionen-Unternehmen wachsen. Trotz großer Konkurrenz im E-Commerce will sie als Entscheiderin für ihre Mitarbeiter eines sein: authentisch und verletzlich. Warum ist das gut?

Frau Cramer, seit der Gründung von Amorelie sind nun sieben Jahre vergangen. Herausforderungen, auf die Sie als Gründerin reagieren mussten, gab es immer wieder: Wie gehen Sie damit um, wenn sie ein Problem erkennen, aber noch keine Lösung parat haben?

Ich überlege mir, welche Ressourcen wir in unserem Team haben und bringe diese zusammen. Außerdem informiere ich mich extern darüber, wer schon mal ein ähnliches Problem hatte, um von anderen zu lernen. Das Gute ist ja, dass ich als CEO nicht alle Lösungen kennen muss. Sondern ich muss ein Problem früh genug erkennen und umreißen, damit ich die richtigen Leute daran setzen kann, dieses Problem zu lösen.



Konkret: Was raten Sie Führungskräften für Krisensituationen?

Ich glaube generell, aber vor allem in Krisenzeiten, dass die verletzlicheren Führungskräfte die besseren sind. Ich bin eine große Befürworterin von „Vulnerable Leadership“ also „verletzlichem Führen“. Das heißt zum Beispiel, dass man mit Unsicherheiten offen umgeht. Das heißt auch, dass man sich empathisch und ehrlich gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zeigt und ein Gefühl vermittelt von „We’re all in this together“.


Wie geht das am besten?

Über klare Kommunikation im Team: Als Mitarbeiter will ich wissen, was meinen Chef oder meine Chefin umtreibt und was jede und jeder Einzelne tun kann. Authentizität ist da besser als perfekt selektierte Krisen-PR.

Für das Business gilt: Alle Szenarien durchrechnen, Kosten im Griff haben, mutig bei Chancen sein. Plan for the worst, hope for the best. Diese Szenarien sollte man im Sinne der Transparenz auch mit dem Team teilen, damit jeder in aller Klarheit weiß, wo das Unternehmen steht. Ich glaube, das hilft auch dabei, den unternehmerischen Geist bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu wecken.


Ist die Corona-Zäsur in Ihren Augen der Moment, um kompromissloser denn je die Vorzüge der Digitalisierung für das eigene Geschäft zu nutzen, oder ist es längst zu spät?

Es ist nie zu spät. Als Optimistin sehe ich in der Krise natürlich auch eine Chance, vor allem dafür, dass Bereiche, die zu lange geschlafen haben, jetzt gezwungenermaßen endlich loslegen bei der Digitalisierung, zum Beispiel Schulen oder Behörden. Unternehmen, die skeptischer waren, erkennen jetzt, dass Homeoffice und die damit einhergehende Eigenverantwortung funktionieren kann, was mehr Flexibilität bringt.


Diese Flexibilität kostet Unternehmen oder Behörden zunächst mal Geld, wenn man die nötige Hard- und Software einkaufen muss.

Das stimmt. Hier sind die Entscheider gefordert, dieses Potenzial nicht liegen zu lassen. Als Unternehmerin macht es mir Sorgen, ob wir wichtiges Momentum, das wir bei der Digitalisierung hatten, jetzt verspielen, weil Investitionen gestoppt werden. Das wäre fatal, denn dann würden wir langfristig hinter China oder den USA zurückfallen.


Sie kennen den Weg vom Start-up zum Unternehmen mit Millionenumsatz, wollen nach einer Pause in 2021 wieder gründen: Halten Sie Kooperationen von Start-ups und Mittelständlern für sinnvoll?

Wir müssen Brücken bauen zwischen der Startup-Bubble und dem Mittelstand. Es gibt viel Know-how, von dem durch Wissenstransfer beide Seiten profitieren würden. Das merke ich auch durch meine Arbeit im Verwaltungsrat von Conrad Electronic: Ich stelle als Gründerin eines E-Commerce-Unternehmens andere Fragen und kann meine Erfahrung oder mein Netzwerk teilen. Umgekehrt lerne auch ich von den anderen in diesen Sitzungen immer extrem viel.


Wie wichtig sind Initiativen wie die DIGITAL X, um das Thema Digitalisierung in den Köpfen von mehr Unternehmern zu verankern?

Digitalisierung ist kein Thema, das man intern einfach so „abarbeiten“ oder „abhaken“ kann. Es ist auch kein Sonderprojekt, sondern zieht sich matrixmäßig durch das ganze Unternehmen und alle Arbeitsabläufe. Deshalb sind Initiativen oder Konferenzen unglaublich wichtig, um den Mindset-Shift zu beschleunigen. Das geht im direkten Austausch, in der Zusammenarbeit und Diskussion mit Menschen, die andere Erfahrungen haben, viel besser, als wenn man immer nur im operativen Alltag des eigenen Unternehmens verharrt. Manchmal braucht es auch nur einen externen Impuls oder eine fesselnde Geschichte, die einen dann dazu bringt, wirklich etwas im Unternehmen zu bewegen und verändern.


Vielen Dank für das Gespräch.

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