Studie: Künstliche Intelligenz im Mittelstand

Hemmnisse bei der KI-Einführung in Unternehmen

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Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) werden sehr große Potenziale für die Verbesserung von Geschäftsprozessen, für die Erhöhung der Leistungsfähigkeit und des Kundennutzens von Produkten sowie für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle zugesprochen. Gleichzeitig nutzt aktuell nur ein kleiner Teil der Unternehmen in Deutschland KI-Verfahren. Anfang 2021 lag die Quote nach einer Studie von Bitkom (2021) bei rund 8 Prozent. Die Verbreitung von KI nimmt stetig, aber nur langsam zu.


Eine leistungsfähigere IT-Infrastruktur und staatliche Förderangebote würden mehr Unternehmen dazu bewegen, KI-Anwendungen einzusetzen. Einer stärkeren Nutzung dieser Technologie stehen bei KI-affinen Unternehmen vor allem hohe Entwicklungs- und Implementierungskosten sowie fehlende Fachkräfte gegenüber. Für den KI-Standort Deutschland sehen die befragten Unternehmen im Ländervergleich noch deutliches Verbesserungspotenzial. Das sind die Ergebnisse einer Befragung des ZEW Mannheim im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit mehr als 950 KI-affinen Unternehmen.

Für 46 Prozent der befragten Unternehmen macht eine leistungsfähigere IT-Infrastruktur die Einführung von KI-Anwendungen wahrscheinlicher. Daneben stufen 44 Prozent der Unternehmen staatliche Förderangebote für KI-Lösungen als bedeutenden Faktor ein, um Risiken und Unsicherheiten des Einstiegs abzufedern. „Die Verfügbarkeit von Daten aus öffentlichen Quellen, mehr Aufklärung in der Öffentlichkeit, Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten und Anpassungen beim Datenschutz hemmen den KI-Einstieg hingegen nicht“, erklärt Christian Rammer, ZEW-Ökonom und Autor der Studie. Zudem fehle es an Fachkräften mit KI-Kompetenz. „57 Prozent der Befragten bewerten den Standort Deutschland in diesem Bereich schlecht“, so Rammer.

Daneben ist auch für KI-aktive Unternehmen eine leistungsstarke IT-Infrastruktur bedeutend, um den KI-Standort Deutschland voranzubringen.Bei bereits vorhandenen Datennutzungsformen zeigt sich das größte Potenzial für Unternehmen, die über Beschäftigte mit spezifischen Kenntnissen zu Datenmanagement und -analyse verfügen, wenn diesen eine verbesserte IT-Infrastruktur zur Verfügung stünde. Diese Gruppe repräsentiert 30 % aller Unternehmen mit Digitalkompetenzen und ohne aktive KI-Nutzung.

Fast ähnlich hoch ist das Potenzial bei Firmen, die Online-Datenquellen nutzen, um Kundenbedürfnisse zu identifizieren und Marketingstrategien zu entwickeln. In dieser Gruppe - die sich mit der ersten stark überschneidet - würden 28 Prozent der Unternehmen eine verbesserte IT-Infrastruktur als Voraussetzung für den Einstieg in die aktive KI-Nutzung sehen. Eine verbesserte IT-Infrastruktur ist außerdem für Unternehmen, die Marketing- und Vertriebsdaten sowie Echtzeit-Daten in ihrer Geschäftstätigkeit nutzen, wichtig für die mögliche Einführung von KI-Anwendungen. Unternehmen, die eine dieser vier Formen von systematischer Datennutzung aufweisen, würden auch am stärksten auf eine staatliche KI-Förderung ansprechen. Eine verbesserte Verfügbarkeit öffentlicher Daten ist ein vergleichsweise wichtiger Faktor für Unternehmen, die Kompetenzen in der Nutzung von Online-Datenquellen aufweisen. Für Unternehmen, die Echtzeit-Daten nutzen, sind Verbesserungen bei Weiterbildung und Fachkräfteangebot überproportional wichtig.

Eine staatliche KI-Förderung würde auch viele Unternehmen ansprechen, die wegen fehlender interner KI-Kompetenzen derzeit von einer aktiven Nutzung Abstand nehmen. Diese Gruppe sieht auch Weiterbildungsangebote sowie Anpassungen beim Datenschutz vergleichsweise häufig als notwendige Voraussetzungen an, um KI-Anwendungen einzuführen.

„Unsere Studie zeigt, dass es bei den Unternehmen, die KI bislang noch nicht aktiv nutzen, sehr wohl Potenzial für den Einstieg gibt. Sowohl KI-nutzende als auch nicht nutzende Unternehmen wünschen sich von der Politik mehr staatliche finanzielle Förderung sowie eine verbesserte IT-Infrastruktur. Das würde die Attraktivität des KI-Standorts Deutschlands wesentlich erhöhen“, so Rammer.

Wie das konkret umgesetzt werden kann, erörtern wir mit Dr. Christian Rammer im #DigitalXStudio. 

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