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SD-WAN – Ein Netz für alle Fälle

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Ein Interview mit Sherif Rezkalla

Netze sind die Verkehrsadern für Unternehmen und ihre Geschäftsprozesse. Im Zuge der Ausweitung von multimedialer Kommunikation und der Vernetzung aller Geräte beeinflussen sie maßgeblich den Pulsschlag der Digitalisierung. Moderne Unternehmensnetzwerke sind softwaredefiniert, lassen sich schnell an neue Anforderungen anpassen und bleiben dabei transparent und administrierbar. Wie SD-WAN Unternehmen hilft, diese Herausforderungen zu meistern, erklärt Sherif Rezkalla, verantwortlich für Business Networks bei der Deutschen Telekom.


Herr Rezkalla, Kommunikationsnetze galten in Unternehmen lange als eine Art Grundausstattung, die wenig mit Strategie und Geschäftserfolg zu tun hatte. Warum erleben die Netze in letzter Zeit eine Renaissance?

Das Stichwort heißt Digitalisierung. Ohne Datenautobahn gibt es keine umfassende Digitalisierung. Die Netze bilden dafür die Grundlage: Sie befähigen Unternehmen erst zu dem Zuwachs an Produktivität, der in einer digitalisierten Wirtschaft möglich ist. Wir beobachten, dass die Gesamtproduktivität vieler Länder mit der Digitalisierung steigt. Jedoch ist der Grad des Fortschritts stark von der Qualität des Netzes im Hintergrund abhängig. Das Netz schafft die Basis für reibungslose Kommunikation und Interaktion mit Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern. Oder für multimediale Kommunikation und die Vernetzung von Geräten im Internet der Dinge (IoT), die immer mehr zunimmt. Das zeigt sich auch in der Zusammenarbeit innerhalb von Unternehmen: Mitarbeiter, die mit Collaboration-Lösungen aus der Cloud gemeinsam in einem Projektteam arbeiten, können über die ganze Welt an unterschiedlichen Standorten verteilt sein. Um all diese Herausforderungen zu meistern, ist eine moderne Netzlösung wie SD-WAN immer entscheidender für wirtschaftlichen Erfolg.

Haben sich die softwaredefinierten Weitverkehrsnetze bereits etabliert?

Es ist in der Tat eine interessante Entwicklung zu beobachten: Zu Beginn fand SD-WAN als Overlay zu bereits bestehenden Netzen Anwendung, etwa als Managed Service bei Unternehmensnetzwerken. Ursprünglich ging es dabei vor allem darum, Betriebskosten zu senken und Bandbreiten zu optimieren. Mittlerweile erkennen immer mehr Unternehmen, dass SD-WAN weitere Vorteile bietet. So wird der Betrieb effizienter und das Netzwerk stabiler, wenn es redundante Pfade über verschiedene Transportschichten wie zum Beispiel Internet, MPLS und 5G nutzen kann. Nicht zuletzt hat auch der Trend zu Multicloud-Umgebungen maßgeblich als Treiber für die Einführung von SD-WAN gewirkt, ebenso wie die Kombination aus Public und Private Cloud. Ganz wesentlich für die zunehmenden Verbreitung von SD-WAN ist zudem, dass immer mehr kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) die Cloud für geschäftliche Workloads wie Office 365 nutzen.

Spielt auch die Corona-Pandemie eine Rolle?

Durchaus, schließlich hat sich seitdem der Anteil von Fernarbeit, vor allem im Home-Office, in nahezu allen Branchen erhöht. Hier gibt es auch kein Zurück mehr: Die meisten Unternehmen und Geschäftsbereiche werden in Zukunft Remote-Konnektivität und Multicloud-Verbindungen nutzen – Anwendungen, die für den Einsatz von SD-WAN prädestiniert sind. Hinzu kommt die rapide steigende Nutzung vernetzter Geräte. In dieser Many-to-Many IoT-Geräteumgebung wird SD-WAN letztendlich das primäre Mittel für das künftige Management von Konnektivität und Sicherheit werden. SD-WAN wirkt somit ganz wesentlich als Treiber für Vernetzung und Digitalisierung.

Wo sehen Sie beim Netzbetrieb weitere Herausforderungen auf Unternehmen zukommen?

Wer sich auf die Reise in die Digitalisierung begibt, muss sich mit neuen Geschäftsanforderungen ebenso beschäftigen wie mit neuen Werkzeugen für die Zusammenarbeit wie Unified Communication and Collaboration (UCC). Die Komplexität erhöht sich, etwa durch die bereits erwähnte Verbreitung von Multicloud und vernetzten Geräten sowie Fernarbeit. Häufig müssen Unternehmen auch mit knappen Budgets arbeiten und dabei das Kunststück schaffen, Betriebskosten zu optimieren und gleichzeitig steigende Geschäftsanforderungen zu bewältigen. Dabei wird das Geschäft immer schneller und die Reaktionszeit auf Veränderungen immer kürzer – ob es sich darum handelt, Arbeitslasten von einer Cloud in die andere zu verlagern, neue Geschäftspartner zu integrieren oder auch neue Compliance-Vorschriften zu übernehmen und die entsprechenden Policies unternehmensweit auszurollen. All diese Herausforderungen sprechen für den Einsatz von SD-Networking-Technologien.

Sind SD-WAN-Technologien auch sicher genug? Cyberkriminelle schlafen schließlich nicht …

Die Notwendigkeit, angesichts stark steigenden Datenaufkommens und der Zunahme vernetzter IoT-Geräte Verbindungen zu optimieren und zu sichern, stellt auch höhere Anforderungen an die Sicherheit unserer Netze. Diese Sicherheit bietet etwa eine SASE-Architektur, also ein cloudbasiertes Sicherheitskonzept für Netzwerke, in dem Sicherheit integraler Bestandteil ist. So verfügen die SASE-Lösungen der Deutschen Telekom über ein leistungsstarkes Framework zur Integration von Sicherheit in das bestehende SD-WAN-Portfolio. Damit können Unternehmen die Cloud-Konnektivität ihrer Anwendungslandschaften aktivieren, kontrollieren und vor allem sichern.

Was bedeutet das für die Zukunft der Netzarchitektur?

Der klassische Verbindungsweg von einem Punkt im Netz zu vielen Punkten, vergleichbar dem Zentrale/Filiale-Modell, ist längst überholt. Wir gehen nun über zu einem Modell, das man als Mehrpunkt-zu-Mehrpunkt-Konnektivität bezeichnen kann. Es ist eine komplexe Aufgabe, ein solches Netzwerk zu designen und zu managen, das nicht über den einen zentralen Kontrollpunkt verfügt und sich zudem ständig ändert. Ohne einen softwaredefinierten Entwicklungsansatz lässt sich diese Komplexität nicht in den Griff bekommen – und ohne ein KI-OPS-Modell, das Überwachung, Optimierung und Automatisierung durch Künstliche Intelligenz unterstützt, sind Management und laufender Betrieb eines solchen Netzes nicht zu bewältigen. Hierbei werden die von den verschiedenen Komponenten und Tools gelieferten Daten aus dem Netzwerk mithilfe von Künstlicher Intelligenz, beziehungsweise eines sogenannten KI-Operational-Verfahrens, ausgewertet. Die Anwender wiederum werden Netze künftig mehr und mehr als Service nutzen. So müssen sie beispielsweise nicht für jeden Geschäftsbedarf eine neue Verbindung aufbauen, sondern können die Verbindung als Service aus der Cloud anwenden. 

Wie stellt sich die Telekom auf diese Entwicklung ein?

Die Telekom adressiert alle Aspekte, die den Markt bestimmen. Hierbei unterstützt ein Kompetenzzentrum unsere Projektteams, die sowohl große und standardisierte als auch kundenspezifische Lösungen ausarbeiten. Wir bieten Kunden eine softwaredefinierte SD-X-Plattform, wobei SD-X für „software defined anything“ steht. Hinzu kommen vollständig automatisierte Ende-zu-Ende-Prozesse (E2E) und ein Self-Service-Portal. Die Plattform bauen wir gemeinsam mit unserem Partner Juniper Networks auf, der über eine führende Lösung für SD-WAN-Technologien wie Segment-Routing und eine führende KI-OPS-Plattform verfügt.

Wie wollen Sie sicher stellen, auch künftig auf weiter steigende Anforderungen Ihrer Kunden angemessen reagieren zu können?

Künftig wollen wir unsere Plattform zusammen mit weiteren Anbietern erweitern. Durch unseren SD-X-Ansatz können wir auf jede Kundennachfrage reagieren, indem wir die Plattform um innovative Technologiepartner verstärken. Darüber hinaus beinhaltet unsere Vision für die Zukunft einen vollständig modularisierten Ansatz, der es ermöglicht, ganz nach Bedarf jede Art von Overlay-Technologie mit jeder Art von Underlay-Zugangstechnologie von einem Marktplatz zu kombinieren. Daher muss unsere SD-X-Plattform in der Lage sein, Internet, MPLS und 5G als Underlay zu jeder Overlay-Technologie der Zukunft zu liefern.

Kurz: Wir wollen softwaredefinierte Netze anbieten, die für unsere Kunden einfach zu implementieren und benutzerfreundlich zu handhaben sind – und die unsere Servicemitarbeiter schnell ändern und anpassen können. Und wir wollen durch KI-gesteuerte OPS Transparenz und „Manageability“ erreichen.

Und was können Kunden von SD-X erwarten?

SD-X soll ein Marktplatz sein, auf dem jeder Kunde die Freiheit hat, seine Dienste in einem digitalen Shop mit modularen Komponenten auszuwählen und zu kombinieren. Wollen Kunden Dienste und Verträge hinzufügen oder anpassen, nutzen sie ein Self-Service-Portal. Außerdem soll jeder Kunde über ein transparentes Dashboard verfügen, das sein Netz in allen Details und Vertragskomponenten zeigt, damit er jederzeit einen transparenten Überblick behält.


Sind Sie Interessiert? Dann schicken Sie uns einfach eine E-Mail an SD-WAN@telekom.de – oder werfen Sie einen Blick auf unsere Webseite. Dort sind Berater genannt, die Sie jederzeit kontaktieren können.