Telekom Studie: Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/21

Digitalisierungsindex der Telekom: Corona treibt Digitalisierung im Mittelstand an

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Je höher der Digitalisierungsgrad, desto besser kommen Unternehmen durch die Corona-Krise. Moderne Technologien helfen Mitarbeitenden, auch im Homeoffice produktiv zu arbeiten. Zudem federn IT-Anwendungen die Folgen der Pandemie ab und helfen etwa dabei den Kundenkontakt nicht abreißen zu lassen. Zu diesen Ergebnissen kommt die repräsentative Telekom Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021“.

Verwaiste Schreibtische, schwarze Bildschirme, dunkle Flure, ausgeschaltete Kaffeemaschinen – und das nicht wie sonst nur am Wochenende, sondern durchgängig: Während der Corona-Pandemie zeigt sich im deutschen Mittelstand ein bislang vollkommen unbekanntes Bild. Homeoffice und mobiles Arbeiten sind der neue Standard in zahlreichen Firmen über alle Branchen hinweg, vom kleinen Handwerksbetrieb bis hin zum großen Industrieunternehmen. Um geschäftsfähig und produktiv zu bleiben, haben viele von ihnen ihre Digitalisierung vorangetrieben. Denn oftmals waren die Geschäftsabläufe zuvor nicht auf mobiles Arbeiten ausgelegt. So boten etwa nur rund 20 Prozent der Betriebe ihren Angestellten schon vor Corona Homeoffice an. Heute ermöglichen Cloud-Anwendungen die virtuelle Zusammenarbeit und Webkonferenz-Lösungen sichern den direkten Austausch zwischen Mitarbeitenden und Kunden. Laut dem „Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021“ haben 55 Prozent der deutschen Unternehmen mobiles Arbeiten als Reaktion auf die Krise entweder neu eingeführt oder ausgeweitet.

Corona als Treiber der Digitalisierung – das ist auch das allgemeine Ergebnis des „Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021“. Telekom und techconsult haben die repräsentative Studie bereits zum fünften Mal durchgeführt. Im Sommer 2020 nahmen dafür mehr als 2.000 kleine und mittelständische Betriebe an einer Umfrage teil. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat das Tempo bei der Digitalisierung im Mittelstand noch einmal stark zugenommen: Der allgemeine Indexwert kletterte von 56 auf 58 von 100 möglichen Punkten. Führend sind aktuell die Branchen Banken und Versicherungen (67 Punkte) sowie Information und Kommunikation (66 Punkte). Der Maximalwert von 100 Punkten wäre dann erreicht, wenn alle Unternehmen sämtlichen digitalen Handlungsfeldern die höchste Relevanz zuordneten und dabei maximal zufrieden mit der eigenen Umsetzung wären.

Zeit sparen, Produktivität steigern

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden von Telekom Deutschland, zeigt sich erfreut über die Studienresultate: „Fast die Hälfte der Unternehmen baut ihre digitalen Angebote aus und will die Digitalisierung ihrer Prozesse vorantreiben. Das ist eine positive Entwicklung.“ Wesentlicher Grund für diese Tendenz: Viele Firmen haben im vergangenen Jahr festgestellt, dass sich technischer Fortschritt im Geschäftsalltag grundsätzlich auszahlt. Durch Homeoffice-Möglichkeiten konnten laut dem Digitalisierungsindex der Telekom zum Beispiel 82 Prozent Zeit bei Betriebsabläufen sparen und 81 Prozent die Arbeit flexibler gestalten. Der Indexwert bei der Produktivität stieg dementsprechend an und beträgt nunmehr 56 Punkte – mit vier Zählern mehr als zuvor ein neuer Höchststand.

Darüber hinaus passte laut dem Digitalisierungsindex der Telekom fast jeder zweite Mittelständler (46 Prozent) aus den verschiedensten Branchen mithilfe von digitalen Produkten und Services kurzfristig sein Geschäftsmodell an. Der zugehörige Indexwert kletterte von 48 auf 51. Oftmals war diese Umstellung schlichtweg notwendig, weil Lockdown und Hygieneanordnungen einen Regelbetrieb unmöglich machten. Gastronomiebetriebe führten beispielsweise vermehrt Onlinebestellungen, Liefer- und Abholservices ein, Messe- und Konferenzveranstalter setzten ihre Veranstaltungen virtuell um, Ärzte boten Telemedizin an. So blieben sie weiterhin konkurrenzfähig. „Es ist keine Überraschung: Unternehmen mit einem hohen Grad der Digitalisierung kommen besser durch Krisen“, sagt Hagen Rickmann. Dabei stellen sich Firmen durch solche Maßnahmen nicht nur resilienter auf, sondern können auch in Zukunft von ihnen profitieren und ihre Geschäftsmodelle flexibler auf die Kundenbedürfnisse ausrichten.

Datenanalyse für wirtschaftlichen Erfolg

Den Kundenkontakt trotz Abstandsregeln aufrecht zu erhalten, ist eine besondere Herausforderung während der Krise. Trotzdem konnte der deutsche Mittelstand seinen Punktestand im Bereich Kundenbeziehungen um drei auf 58 verbessern, wie der Digitalisierungsindex der Telekom herausstellt. Möglich machen dies unterschiedliche digitale Lösungen: Viele Betriebe kommunizieren etwa topaktuelle Angebote über die sozialen Medien oder beraten Kunden in Videochats.

Für immer mehr Unternehmen vom Handel bis zur Industrie ist daneben Data Analytics ein zentraler Baustein für die erfolgreiche Digitalisierung. Jeden Tag fallen zahllose Daten in einem Betrieb an, seien es allgemeine Geschäfts- oder Transaktionsdaten, Informationen aus sozialen Netzwerken oder solche, die Maschinen sowie Sensoren über das firmeneigene Internet of Things (IoT) an die Cloud übermitteln. 76 Prozent der Betriebe analysieren diese Informationen, um zum Beispiel Marketingmaßnahmen besser zu steuern, Kunden zielgenauer anzusprechen oder Wertschöpfungsketten zu optimieren. Die Resultate sprechen für sich: Wie der Digitalisierungsindex der Telekom zeigt, konnten 73 Prozent dank der Datenanalyse ihre Umsätze steigern, 74 Prozent ihre Kosten senken und 67 Prozent ihre allgemeine Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Investitionspläne bleiben bestehen

Was bereits vor Corona galt, zeigte sich durch die Pandemie noch deutlicher: Digital Leader sind gegenüber weniger digitalisierten Mitbewerbern im Vorteil. Laut Digitalisierungsindex der Telekom gaben 77 Prozent der Top-Modernisierer an, dass sie schnell und individuell auf die neuen Bedingungen reagieren konnten. Von den anderen Betrieben sagten dies lediglich 36 Prozent. Abgesehen davon, dass sie bessere Geschäftsergebnisse erzielen konnten, sind rund vier von fünf Digital Leadern außerdem anpassungsfähiger aufgestellt: Innovativen Lösungen gegenüber, die Betriebsabläufe optimieren können, sind sie beispielsweise aufgeschlossen. Das können von den anderen Unternehmen nur 35 Prozent von sich behaupten.

Die Investitionsbereitschaft in IT-Lösungen ist im deutschen Mittelstand überwiegend hoch. Zwar geben laut Digitalisierungsindex der Telekom 18 Prozent der Firmen an, ihre Budgets als Reaktion auf Corona zu kürzen. Vor allem pandemiegeplagte Branchen wie Gastgewerbe und Kultureinrichtungen sind davon betroffen. 60 Prozent aller Studienteilnehmer halten jedoch an ihren Investitionsplänen fest, insbesondere in den Bereichen Industrie, Finanzgewerbe und ITK. Fast jeder vierte Betrieb möchte seine Ausgaben sogar erhöhen, im Schnitt um 20 Prozent. Sie machen ihr Geschäft damit nicht nur krisenfester und flexibler, sondern stellen auch die Weichen für eine erfolgreiche digitale Zukunft.

Studienergebnisse und Self-Check

Zum fünften Mal ermittelte techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom den digitalen Status quo mittelständischer Unternehmen. Dazu befragte der Analyst im Sommer 2020 rund 2.000 mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Neben der Beschreibung der Fortschritte der Digitalisierung in den Bereichen:

  • Beziehung zu Kunden
  • Produktivität im Unternehmen
  • Digitale Geschäftsmodelle
  • IT-Sicherheit und Datenschutz

hebt der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021“ die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Digitalisierungsgrad hervor. Die Analysten haben die Befragungsergebnisse auch branchenspezifisch ausgewertet. Die einzelnen Studien stehen auf www.digitalisierungsindex.de neben der Gesamtstudie als Download zur Verfügung.

Unternehmen, die den eigenen digitalen Status quo ermitteln wollen, können ihn im Online-Self-Check kostenlos in kurzer Zeit ermitteln.

Felix Schoeller: SAP Concur Expense