Der Kampf um die technische Vorherrschaft

Chip Wettrüsten

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Der Handelskrieg zwischen den USA und China scheint für die nächsten Wochen auf Eis gelegt - mit oder ohne Donald Trump. Doch der Streit um Soja und Schweinefleisch ist nur ein Nebenkriegsschauplatz. Der Kampf um die ökonomische, technologische und militärische Vorherrschaft auf der Welt wird nicht mit Soja und Schweinefleisch gewonnen, auch nicht mehr mit Öl, sondern mit Chips und Software.

Kein Wunder also, dass die Trump-Administration laut der Nachrich­tenagentur Reuters Druck auf die niederländische Regierung ausübte, um eine Verschiffung einer ASML-Maschine der neuesten Generation nach China zu verhindern. Gemeinsam mit Zeiss und Trumpf entwickelte ASML eine Maschine mit EUV-Technologie. Die EUV-Lithografie hält Moore's Law am Leben. 2011 lag die Anzahl an Transistoren pro Chip bei knapp drei Milliarden Transistoren. Heute sind es zehn Milliarden. In zwei Jahren müssten es doppelt so viele sein.

Technikexkurs: Gordon Moore, Mitgründer von Intel, hat vor über 50 Jahren vorausgesagt, dass die Anzahl Prozessor-Transistoren sich in Zukunft jedes Jahr bei etwa gleichbleibendem Preis verdoppeln wird. Diese Prophezeiung hat sich rückwirkend bewahrheitet, obwohl sie sich nicht innerhalb von zwölf, aber auf etwa 18 Monate eingependelt hat. Dieses Gesetz ist für KI und ML wichtig, denn es versetzt die Industrie in die Lage, komplexe Berechnungen weiterhin auf der Edge durchzuführen. Das bedeutet: Nicht alle Daten müssen in eine Cloud übertragen werden. Die EUV-Lithografie hält Moore’s Law am Leben – auch dank europäischer Technologie.


Keine neue Strategie


Zurück zu der Maschine. Im Januar 2020 hieß es: Der Empfänger der Maschine sollte das chinesische Unternehmen Semiconductor Manufacturing Inter­national Corp. sein. Laut Reuters lief die Ausfuhrlizenz von ASML am 30. Juni 2019 ungenutzt ab und laut einer öffentlichen Datenbank mit Lizenzen, die vom niederländischen Außenministerium veröffentlicht wurde, wurde in den folgenden acht Wochen, in denen normalerweise ein Verlängerungsantrag geprüft wür­de, keine neue Lizenz erteilt. Was mit der Maschine passiert ist, bleibt offen. Ist aber auch nicht so wichtig. Es geht um das Gesamtbild, den Vorgang. Eingriffe der US-Regierung in Exportgeschäfte sind nicht neu, es ist keine Trump-Strategie, aber bei dieser Technologie doch sehr interessant.


Warum ist diese Maschine so wichtig? Die USA, Südkorea, Europa und Taiwan haben laut Experten noch einen Vorsprung in der Chipentwicklung. Diese leistungsstarken Chips sind wichtiger Bestandteil von Edge-Computing für KI- und ML-Anwendungen im Militär und in der Industrie. Das Magazin Economist berichtete Anfang des Jahres. „China bewegt sich langsam in der Wertschöpfungskette der Mikrobearbeitung nach oben.“ Wichtigster Satz in dem Artikel: In der Konstruktion gut zu werden ist jedoch einfacher als in der Fertigung.


Neue Exportrichtlinien


Dass die USA der KI- und ML-Technologie strate­gische Bedeutung beimessen, verdeutlicht auch ein zweiter Fall: Die US-Regierung plant weitere Gesetze, um auch den Export von AI-Software-Produkten für Dual-Use-Anwendungen nach China einzuschränken. Auch das berichtete Reuters. „Sie wollen amerikanische Unternehmen davon abhalten, den Chinesen dabei zu helfen, bessere KI-Produkte herzustellen, die ihrem Militär helfen können“, sagte James Lewis, ein Technologieexper­te des Washingtoner Zentrums für strategische und internationale Studien der Nachrichtenagentur. Es gehe hierbei aber auch um zivil nutzbare Technik.


Doch es geht auch anders rum: China verschärfte im TikTok Streit mit den USA die Exportbedingungen für Algorithmen. Die Financial Times berichtete darüber.


Das Rennen um die Vorherrschaft bei KI und ML hat begonnen. Staaten und Unternehmen positionie­ren sich. Sojabauern und Schweinehalter sind nur Zuschauer im neuen Wettrüsten.

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