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Der Digitalisierungsschub, den niemand kommen sah

Im Frühjahr 2020 sind unzählige Mitarbeiter auf der Welt ins Homeoffice geschickt worden. Eine Herausforderung für die Infrastruktur jedes Unternehmens – aber auch eine Chance, wie Stefan Herrlich von LANCOM sagt.
23.07.2020
Lancom Systems

Und plötzlich musste es ganz schnell gehen. „Quasi über Nacht haben wir alle unsere 400 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt“, sagt Stefan Herrlich, Geschäftsführer des Netzwerkherstellers LANCOM in seinem Vortrag bei der zweiten Auflage der DIGITAL X DIGITAL EDITION der Telekom. Die Coronakrise hat im Frühjahr 2020 nicht nur das Unternehmen aus Würselen, sondern die ganze Welt getroffen.

„Für uns war es noch eine vergleichsweise einfache Sache, auf Remote Work umzustellen, wir sind nun mal vom Fach. Aber das fiel nicht allen so leicht“, sagt Herrlich. Und deshalb ging die Zahl der Aufträge bei LANCOM auch rasant nach oben: Der IT-Dienstleister versorgt seine Kunden mit einer sicheren Netzstruktur, die nicht zuletzt auch das Arbeiten von Zuhause ermöglicht.

„Corona hat in dieser Zeit ganz klar die Rolle eines Beschleunigers gespielt“, sagt Stefan Herrlich. „Der Lockdown legt aber auch brutal die Schwächen eines Unternehmens offen.“ Jeder hätte sich plötzlich die Frage stellen müssen, was noch fehlt, um voll digitalisiert zu arbeiten. Und jeder musste schnellstmöglich eine Antwort finden und gegebenenfalls nachzurüsten. Die meisten Anfragen der LANCOM-Kunden beispielsweise seien die nach VPN-Clients gewesen, um den Laptop zuhause mit dem Firmennetzwerk zu verknüpfen, sagt Herrlich.

Einzelhandel: Nase vorn mit digitalen Preisschildern

Cisco-Deutschland-Chef

„Technologie bildet das Rückgrat unserer Wirtschaft“

Menschen in einer Zeit zu verbinden, in der Distanz so wichtig ist, ist keine leichte Aufgabe. Wie sie sich dennoch schnell und sicher lösen lässt, erklärt Uwe Peter, Geschäftsführer und Vice President Cisco Deutschland.

Ein Beispiel für den Vorsprung durch bereits digitalisierte Prozesse kommt aus dem Einzelhandel: „Wir betreuen viele Kunden, die ihre Filialen mit digitalen Preisschildern ausgestattet haben. Und die haben jetzt die Nase vorn“, sagt Stefan Herrlich. Denn: Zum einen habe man über die Schilder an die Abstandsregeln erinnern können. Zum anderen gilt seit Juli die Verringerung der Mehrwertsteuer. „Das bringt eine enorme Zettelflut mit sich, wenn Millionen Preisschilder neu gedruckt werden müssen. Ladenlokale mit digitalen Preisschildern haben dieses Problem nicht – und vor allem haben sie es im Dezember nicht noch mal, wenn die Mehrwertsteuer wieder auf den vorherigen Satz angehoben wird.“

Die Corona-Zeit müsse als Chance verstanden werden, um das eigene Unternehmen digitaler aufzustellen. Natürlich gibt es auch die Kehrseite der Medaille: Mehr Digitalisierung bietet Cyberkriminellen auch mehr Angriffsflächen. Doch dagegen kann man sich schützen. Und es sei besser, den Umgestaltungsprozess ausgeruht zu planen, als sich von der nächsten Krise überraschen zu lassen. Angst ist ein schlechter Ratgeber – in der Krise genauso wie bei der Digitalisierung.